Zimmererverein Schardenberg und Umgebung
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Die Zimmerleute Schardenberg

Der Zimmermeister Matthias Zauner gründete nach dem Ableben seines Vaters, dem Moasta z'Stoabrunn, 1925 in Gattern seine eigene Zimmerei. Die Zimmerleut´, welche damals einen wesentlichen Anteil zum wirtschaftlichen Geschehen beitrugen, mussten unter äußerst schwierigen Bedingungen ihrer Arbeit nachgehen. Um zu ihrer Arbeitsstelle zu kommen, mussten sie, nur mit Holzpantoffeln an den Füßen, ihr bis zu 5 kg schweres Werkzeug in einem hölzernen Traggestell oft kilometerweise tragen. In ihrer „Zimmerkraxn" mussten sie von der Bundhacke bis zur Zimmererklampfn alles mitschleppen.

Der Moasta hatte in guten Zeiten bis zu 60 Zimmererleute, vom Lehrling über den gewöhnlichen Zimmermann bis zum Vorgeher, der heute Polier genannt wird, unter sich, und er hatte sie alle fest unter Kontrolle.


Seit 1929 gibt es die Zunftfahne der Zimmerer. Die erste Fahnenmutter war eine Großbäuerin, die Hannesling z'Dalling, welche wahrscheinlich auch einen Großteil der Kosten trug. Vom selben Hause stammt übrigens auch die derzeitige Fahnenmutter Roswitha Hell.

Außer der Fahne, die dem Hl. Josef, dem Schutzpatron der Zimmerer, geweiht wurde, wurden noch 4 Schärpen angeschafft. Auch an kirchlichen Festen nahmen die Zimmerleute teil. Am Josefitag gingen sie gesammelt in die Kirche und bekamen anschließend vom Wirt z' Stoabrunn ein Fass Bier. An Josefi wurde auch die Arbeit angewiesen. Der Titel ,,Die Zimmerleute Schardenberg", so wie er auf die Fahne gestickt wurde, war ein Privileg des Meisters. Von den Zimmerleuten, die auch aus allen umliegenden Gemeinden wie Kopfing, Freinberg, Esternberg, Münzkirchen, Wernstein und Brunnenthal kamen, blieben die meisten jahrelang beim Zimmermeister und sie bildeten somit einen soliden Kern des Unternehmens.

Weil es damals noch kein Telefon gab, musste alles mündlich und durch so genannte Einsager ausgemacht werden. Jeden Sonntag nach der Messe trafen sich die Handwerksleute in Schardenberg bei der Dorflinde.

Damals hatte jeder Bauer, der etwas auf sich und seinen Hof hielt, einen Hauszimmermann, denn zum Ausbessern gab es immer etwas. Wenn ein Bauer ein größeres Bauvorhaben hatte, wurde vom Meister eine Holzliste erstellt. Nach dieser wurden dann im Holzgrund des Bauherrn Bäume ausgesucht, die der Bauer dann fällen musste. Meist wurden die Bäume im Winter geschlagen und mit Pferden zum bäuerlichen Hof gebracht. Nach Josefi wurde das Holz dann von den Zimmerleuten gehackt. Dazu hatten sie Zimmerschragen, welche vier Meter lang sein mussten. Bei einem Stadel von etwa 18 m Breite waren vierzehn bis sechzehn Zimmerleute beschäftigt. Zum Aufstellen (Stoin) wurden mehr Leute benötigt, deshalb schickte der Bauer Einsager aus, mit der Bitte um einen Helfer. Hundert bis Hundertzwanzig Männer waren notwendig und es wurde alles händisch gemacht. Damals wurde in so einem Stadel nicht ein einziger Stahlnagel verwendet, sondern es mussten Nägel aus Hartholz, wie z.B. Kirsche, gehackt werden.Diese Nägel wurden meistens an Regentagen hergerichtet.

Bevor der Stadel gestellt werden konnte, musste für jeden Bund ein Fundament gemacht werden. Dazu diente je ein großer Stein, der von einem Pferd an die richtige Stelle gezogen wurde. Jeder Zimmermann, dem ein Bund zugeteilt worden war, war für diesen verantwortlich, und als Helfer wurde ihm ein Bauernknecht (Bauernkund) zugeteilt. Jeder Bauer wollte den schönsten Stein als Unterlage finden. Dieser musste manchmal mit Schrepfen, Steinkeilen, verkeilt werden. Es war ein Grundsatz des Meisters, nie an einem Montag zu stellen. Da waren die Kundn meist vom Sonntag noch nicht ganz nüchtern. Es wurde der ,,Engel des Herrn" vorn Meister gebetet und am Schluss hieß es ,,HO auf“ und jeder musste an die Arbeit gehen.In der ganzen Laufbahn des Meisters müssen es an die 250 Stadeln gewesen sein, die er mit seinen Leuten aufgestellt hat, und es ist nie ein Unglück geschehen.

1992 fand die Gründungsversammlung des zwischenzeitlich wieder neu aktivierten Zimmerervereins Schardenberg und Umgebung statt. Seit dieser Zeit wird unter Obmann Zimmermeister Gerhard Kosch das Vereinstreiben wieder mit jährlich ca. 10 Aktivitäten mit Leben gefüllt

Besonderes Aufsehen bei den Ausrückungen genießt die Zunfttracht, mehr als 30 Mitglieder wurden mit Vereinsunterstützung bisher damit ausgestattet.

Neben der alljährlichen Teilnahme am ,,Passauer Maidultumzug" wird bei besonderen Anlässen wie Handwerkerfesten und Kirtagen .das meisterliche Können des ,,Holzhackens" und, Dachrinnenhackens" der Öffentlichkeit mit überaus großem Zuspruch präsentiert.


1997 wurde anlässlich des 70-jährigen Gründungsfestes die Dank der Fahnenmutter Roswitha Hell und der vielen Sponsoren neu restaurierte Vereinsfahne gesegnet.

Im September 2002 fand in Schardenberg ein Brauchtumsfest statt, tausende Besucher bestätigten die Akzeptanz der alten Handwerksbräuche.

Derzeit zählt der Verein ca. 55 aktive und 15 unterstützende Mitglieder. Das Einzugsgebiet reicht vom Großraum Passau über die gesamten Sauwaldgemeinden.
 

   
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